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Christi Himmelfahrt

Selbstbestimmung Eigenverantwortung

Die Bedeutung des Festes «Christi Himmelfahrt» angesichts des Corona-Virus

Zehn Tage vor Pfingsten feiern wir das Fest «Christi Himmelfahrt». Das ist dieses Jahr am Donnerstag, den 21. Mai. Was feiern wir an diesem Fest?
Der Evangelist Lukas hat am Anfang der Apostelgeschichte (1, 1 - 12) dazu folgendes aufgeschrieben:

Der Bibeltext:
Im ersten Bericht (Lukasevangelium) habe ich alles aufgeschrieben,
was Jesus getan und gelehrt hat – und zwar von Anfang an
bis zu dem Tag, an dem er in den Himmel aufgenommen wurde.
Vorher hatte er den Aposteln noch Anweisungen für die Zukunft gegeben.
Die Apostel hatte Jesus mit der Hilfe des Heiligen Geistes ausgewählt.
Nach seiner Auferstehung zeigte er sich ihnen immer wieder
und bewies ihnen so, dass er lebt.
Vierzig Tage lang erschien er ihnen
und sprach zu ihnen über das Reich Gottes.
Einmal, als Jesus mit den Aposteln zusammensass,
sagte er ihnen:
»Verlasst Jerusalem nicht!
Wartet darauf, dass in Erfüllung geht,
was der Vater versprochen hat.
Ihr habt es ja schon von mir gehört:
Johannes hat mit Wasser getauft.
Aber ihr werdet in wenigen Tagen
mit dem Heiligen Geist getauft werden.«
Da fragten ihn die Versammelten:
»Herr, stellst du dann das Reich Israel wieder her?«
Jesus antwortete ihnen:
»Ihr braucht die Zeiten und Fristen nicht zu kennen.
Mein Vater allein hat sie in seiner Vollmacht festgelegt.
Aber wenn der Heilige Geist auf euch herabkommt,
werdet ihr Kraft empfangen.
Dann werdet ihr meine Zeugen sein
– in Jerusalem, in ganz Judäa und Samarien
und bis ans Ende der Erde.«
Nach diesen Worten wurde er vor ihren Augen emporgehoben.
Eine Wolke nahm ihn auf,
sodass sie ihn nicht mehr sehen konnten.
Die Apostel starrten wie gebannt zum Himmel,
während er verschwand.
Und sieh doch:
Da standen zwei weiss gekleidete Männer bei ihnen.
Die sagten:
»Ihr Männer aus Galiläa,
was steht ihr da und schaut zum Himmel?
Jesus wurde aus eurer Mitte
in den Himmel aufgenommen.
Er wird auf dieselbe Weise wiederkommen,
wie er vor euren Augen zum Himmel weggegangen ist.«
Danach kehrten die Apostel vom Ölberg nach Jerusalem zurück.
Der Ölberg liegt nahe bei Jerusalem,
nur einen kurzen Weg entfernt.

Gedanken zum Bibeltext
Lukas erzählt die Geschichte der Himmelfahrt Jesu sehr bildhaft.
Wir sehen in unserer Vorstellung, wie Jesus auf einer Wolke
vor den Augen der Jünger zum Himmel hoch getragen wird.
Ob das wirklich so passiert ist, können wir nicht beweisen.
Es gibt auf dem Ölberg in Jerusalem eine Himmelfahrtskappelle.
Dort findet man einen Stein, der angeblich den Fussabdruck Jesu zeigt.
Wir wissen heute, wie schwierig es mit solchen angeblichen Beweisen ist.
Die Bedeutung eines christlichen Festes hängt nicht von Beweisen ab,
dass sich alles genau so ereignet hat, wie es in der Bibel steht.
Die Bedeutung eines Festes liegt im Sinn
und in der Beziehung des Festes zu unserem eigenen Leben.



Was hat Christi Himmelfahrt mit unserem Leben zu tun?
Abschied
Die Jünger müssen an der Himmelfahrt Jesu endgültig Abschied nehmen.
Er verlässt sie als leibhaftiger und greifbarer Mensch.
Er geht in den Himmel zu Gott, seinem Vater.

Wir müssen uns in unserem Leben auch immer wieder von Menschen verabschieden, die wir lieben:
Menschen ziehen weg an einen anderen Ort.
Oder wir selbst gehen weg, weil wir woanders eine Arbeit gefunden haben.
Eine Freundschaft oder eine Beziehung zerbricht.
Oder jemand stirbt, den wir gerne haben.
Wir kennen dieses Gefühl,
wenn wir Menschen loslassen und Abschied nehmen müssen.
Das fällt uns schwer.
Wir sind traurig.
Wir fühlen uns allein.
Was aber bleibt:
ist die Erinnerung an diesen Menschen.
Die Erinnerung an schöne Erlebnisse.
Die Erinnerung, was der Mensch zu uns gesagt hat
oder was er für uns getan hat.
So bleibt die Erinnerung, so bleibt der Mensch selbst lebendig in uns.

So ist es auch den Jüngern ergangen.
Sie haben sich immer wieder an Jesus erinnert.
Sie haben immer wieder von Jesus erzählt.
So machen es Christen bis heute.




Selbstbestimmung und Eigenverantwortung
Etwa 3 Jahre war Jesus mit seinen Jüngern unterwegs.
Sie haben viel von ihm gelernt. Er war wie ein Lehrer für sie.
Meister haben sie ihn genannt. Er war ihr Lehrmeister.
Durch seine Himmelfahrt hat er sie verlassen.
Sie können nun zeigen, was sie bei ihm gelernt haben.
Sie beginnen, selbstständig zu predigen und Kranke zu heilen.
So können wir es in der Apostelgeschichte lesen.
Schon vorher hat Jesus sie immer wieder allein weggeschickt,
um in Dörfern von Gott zu erzählen und Menschen zu heilen.
Die Jünger sind bei Jesus in die Lehre gegangen.

Als Kinder lernen wir viel von unseren Eltern und Geschwistern.
Wir gehen in die Schule, um etwas für unser Leben zu lernen.
Wir machen eine Lehre oder studieren, um uns weiterzubilden.
Wir machen immer wieder Kurse oder Ausbildungen, um mehr zu lernen.
Wir wollen das Gelernte dann auch selbständig tun.
Wir wollen zeigen, was wir können.

Mit dem Fest Christi Himmelfahrt feiern wir ein Fest der Selbständigkeit,
der Selbstbestimmung und der Eigenverantwortung.
Jesus übergibt den Jüngern die Verantwortung,
in seinem Namen zu predigen und zu heilen.
Auch wir wollen unser Leben selbstbestimmt
und in eigener Verantwortung führen.
Daran erinnert uns des Fest Christi Himmelfahrt.

Selbstbestimmung und Eigenverantwortung in der Corona-Zeit
In den letzten acht Wochen hat der Bundesrat
per Notrecht viele persönliche Rechte der Menschen eingeschränkt
zum Schutz gegen das Corona-Virus.
Wir haben uns an die Massnahmen des Bundesrates gehalten.
Wir haben in dieser Zeit
einen Teil unserer Selbstbestimmung
und Eigenverantwortung zurückgestellt.
Mit den neuen Regelungen seit dem 11. Mai
und der Öffnung vieler Geschäfte und Institutionen,
sind wir wieder freier.
Nun können wir wieder selbstbestimmter und
in eigener Verantwortung entscheiden:
Wie verhalte ich mich?
Was tue ich?
Was lasse ich besser sein?
Wie kann ich mich und andere schützen?

Hier sehe ich eine Verbindung unserer jetzigen Situation
zu dem Fest Christi Himmelfahrt:
Jesus möchte, dass wir als selbstbewusste Menschen
Verantwortung übernehmen für uns selbst.
Er möchte aber auch,
dass wir Menschen helfen und unterstützen,
die unsere Hilfe brauchen.
In diesem Sinne wünsche ich uns allen
gesegnetes Auffahrts-Fest.
Ich wünsche uns weiterhin viel Kraft,
Geduld und Gesundheit an Leib und Seele!
Passen Sie auf sich
und auf die Gesundheit
anderer Menschen auf!

Bildlegende: Christi Himmelfahrt, Gotische Wandmalereien an der Südwestand im Chor der Kirche St. Niklausen ob Kerns