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Geschichte

Der Zürcher Mimenchor besteht seit über 50 Jahren - hier ein kurzer Überblick über seine Geschichte

Bei den Aufführungen des Zürcher Mimenchors begegnen uns die einzigartigen Ausdrucksformen der Pantomimenkunst in all ihren  Facetten und in einer eigenständigen Art und Weise. Mimischer Gesichtsausdruck, begleitet von Gestik und Körpersprache, sind wohl die zentralen Elemente in ihren Darstellungen.

Nicht statisch wie ein Chor stehen die Spielerinnen und Spieler vor uns, sondern ein stetes bewegtes Spiel wird dem Publikum vor Augen geführt.

Die Mimenchorspieler und –spielerinnen sind alle gehörlos oder hörbehindert. Wohl könnten sie sich in den Aufführungen genauso gut der gesprochenen oder gebärdeten Sprache bedienen, doch ist es ein zentrales Anliegen des Mimenchors, sich zur Hauptsache mit anderen Formen auszudrücken als der Sprache.

Regisseure und Choreographen wirkten seit jeher im Mimenchor mit und leiteten die Proben. Da gab es Ballettmeister wie Max Lüem (von 1954 bis 1971) und Jean Pierre Genet (von 1971 bis 1975, 1981 bis 1987, vereinzelt auch noch später), welche die Spieler über Jahre im tänzerischen Ausdruck schulten und schon mal richtig streng sein konnten mit ihrer Truppe.

Als Leiter waren zwischendurch auch Theaterregisseure wie der Basler Markus Berger oder später Marc Brunner für den Mimenchor tätig. Diese setzten den Schwerpunkt auf das schauspielerische Können, ja sogar akrobatische  Einlagen kamen hinzu.

In den neunziger Jahren wurde es zunehmend schwieriger, geeignete Regisseure für neue Produktionen zu finden, der Mimenchor probte deshalb oft selbständig.

Das zentrale Element des Mimenchorspiels  ist aber seit seiner Gründung die Kunst der Pantomime, in welcher die Spieler Unterstützung von professionellen Pantomimenkünstlern erhalten. Früher war dies Jean P. Amiel, ein Schüler des berühmten Marcel Marceau, heute ist es Damir Dantes, der in Zürich lebt und mit eigenen Pantomimenproduktionen im In- und Ausland in Erscheinung tritt.

An die Laienspieler stellt die Kunst der Pantomime letztlich hohe Anforderungen, denn es gilt, sie möglichst  professionell und individuell umzusetzen.

Der professionelle Mime stellt beispielsweise in den Proben die Aufgabe an die Spieler/-innen, bestimmte Tätigkeiten oder Bewegungen pantomimisch darzustellen, wie etwa Wasser trinken, mit einem Rollstuhl fahren, den Gang eines Elefanten imitieren, mit einem Schwert kämpfen und so weiter.

 

Weltliche Stücke zu spielen, wie „Der Alpenkönig“ in den siebziger Jahren, bedeutete für die Mimenchordarsteller/-innen eine willkommene Bereicherung. Mit der Schweizer Alpensage, die auf einem Stück von Ferdinand Raimund beruht und vom Theaterregisseur Markus Berger für den Mimenchor bearbeitet wurde, feierten sie nicht wenige Auslanderfolge.

1979 begeisterten sie damit das Publikum am Internationalen Weltkongress für Gehörlose in Varnia/Bulgarien, der alle vier Jahre in einem anderen Land stattfindet. „Der Alpenkönig“ war ein Spiel mit Masken und speziell angefertigten Kostümen und Bühnenbildern. Neben der Figur des Alpenkönigs traten wilde Berggeister auf, die einen Tanz der vier Elemente Feuer, Erde, Luft und Wasser aufführten. Das personifizierte „Zweite Ich“ des Alpenkönigs war die Figur des „Menschenfeind“, der am Ende des Stücks übermannt wird, sodass die Liebe zu den Menschen und nicht der Hass siegt.

Der Mimenchor nahm viele Male mit Aufführungen von verschiedenen Stücken an den Internationalen Weltkongressen für Gehörlose teil, so auch 1971 in Paris, in den USA 1975 und 1987 zum letzten Mal in Helsinki.

Seit den Anfängen führt der Mimenchor Weihnachtsspiele auf, jedes Jahr wieder neu und jedes Jahr wieder anders. Dabei geht es durchaus um die traditionelle Weihnachtsgeschichte von der Geburt Christi, doch in ihrer Darstellung wird sie immer wieder einzigartig umgesetzt. Die Hirten kommen darin vor, der Verkündigungsengel, Maria und Josef, die heiligen drei Könige, der König Herodes, sie alle spielen ihre Rolle für einmal lautlos und erzählen die Geschichte ohne Worte.

Für das Weihnachtsspiel liessen sich bisher jedes Jahr Spielerinnen und Spieler finden, noch nie wurde es ausgelassen in der über fünfzig jährigen Geschichte des Zürcher Mimenchors.

Häufig ist man  zu Gast in der Augustinerkirche Zürich und weiteren  Kirchen der Stadt, dann und wann auch in anderen Kantonen der Schweiz, immer sind die ökumenischen Gottesdienste für Hörende und Gehörlose gestaltet. Sie werden denn auch rege besucht und sind für viele zu einem wichtigen Ereignis in der Adventszeit geworden.

In der Gestaltung des Weihnachtsspiels liegt bis heute eine besondere Herausforderung für alle Beteiligten des Gottesdienstes, die Pfarrerinnen und Pfarrer der Gehörlosengemeinde Zürich unterstützen jeweils diese Tradition. Der Mimenchor wird seit seiner Gründung vom reformierten Gehörlosenpfarramt  Zürich mitgetragen.