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«Zu Hause»

ein paar Gedanken von Tanja Haas

Ich war noch nie so lange Zeit in unserer Wohnung wie jetzt. Seit einer Woche arbeite ich zu Hause. Das ist ganz neu für mich. Mein Mann kann noch in seinem Büro arbeiten. Zum Glück. Zu zweit wäre es eng in der kleinen Dachwohnung mit 3 Zimmern.

Ich vermisse die Zugfahrt nach Zürich am Morgen. Ich vermisse den Spaziergang vom Hauptbahnhof zu meinem Büro in der Beckenhofstrasse. Jeden Morgen laufe ich über den Platzspitz und geniesse den schönen Park. Ich geniesse diesen Weg zur Arbeit. Er hilft mir, mich auf die Arbeit innerlich vorzubereiten.

Letzte Woche habe ich mich deshalb gefragt: Was hilft mir, um zu Hause arbeiten zu können? Da kam mir eine Idee:

  • ich stehe jeden Morgen um 6 Uhr auf. So wie ich es auch mache, wenn ich nach Zürich fahre.
  • Ich gehe wie immer um 7.30 Uhr aus dem Haus. Ich gehe aber nicht zum Bahnhof. Ich mache einen kurzen Spaziergang zum Wald oder an den Zürisee oder in das Pflanzenlabyrinth.
  • Dort mache ich eine kurze Körper-Meditation, wie ich es jeden Morgen mache.
  • Danach gehe ich dann wieder nach Hause an den Schreibtisch und beginne mit der Arbeit. So versuche ich, den neuen Alltag während der Corona-Zeit zu gestalten.
  • Eine Struktur des Tages und Bewegung sind wichtig. Das hat eine Ärztin geschrieben, die seit 2 Monaten in Wuhan (China) in Quarantäne ist.

Weil wir jetzt so viel zu Hause sind, haben mein Mann und ich schon vieles gemacht, wofür wir normalerweise keine Zeit haben:

  • Wir haben das Arbeitszimmer aufgeräumt.
  • Wir haben die Unterlagen für die Steuererklärung zusammengesucht.
  • Wir machen es uns schön zu Hause. Das tut gut.

So ist uns zum Glück noch nicht langweilig.

Ich bin gerne frei und draussen in der Natur unterwegs. Ich liebe das Wandern und Reisen. Aber jetzt bin ich froh, dass ich ein Zuhause habe. Viele Menschen, die obdachlos sind, haben es jetzt sehr schwer. Viele Menschen, die auf der Flucht sind, können sich nicht schützen vor Krankheiten und Gewalt. Ich mache mir viele Gedanken. Ich bete viel für alle Menschen, denen es nicht gut geht.

Ich frage mich: was macht eine Wohnung oder ein Haus zu einem Ort, an dem ich gerne bin? Was ist ein Zuhause für mich?

Ein Zuhause ist mehr als 4 Wände und ein Dach über dem Kopf.

Ein Zuhause ist mehr als die Stühle, der Tisch und das Bett, die darin stehen.

Ein Zuhause gibt Geborgenheit und Schutz in schwierigen Zeiten.

Zuhause ist dort, wo ich hingehöre und bleiben kann.

Zuhause ist dort, wo ich so sein kann, wie ich bin.

Zuhause ist dort, wo Menschen sind, die mich gern haben.

Zuhause ist dort, wo mein Hund oder meine Katze mich begrüssen, wenn ich die Wohnungstür öffne.

Zuhause ist dort, wo ich mich bei Sorgen geborgen fühle.

Zuhause ist dort, wo ich lachen kann.

Zuhause ist dort, wo ich gerne bin.

Ich kann selbst für andere Menschen ein Zuhause sein,

wenn ich Zeit für sie habe,

wenn ich in schwierigen Zeiten für sie da bin und helfe,

wenn ich ein Lebenszeichen schicke,

wenn ich frage, wie es ihnen jetzt geht,

wenn ich sie gern habe und ihnen das auch zeige.

In der Bibel erzählt Jesus auch immer wieder davon, wie wichtig es ist, ein Zuhause zu haben. Er meint damit, dass wir bei Gott zu Hause sind. Jesus sagt: wenn wir glauben, ist Gott unsere Heimat. Bei Gott haben wir eine Wohnung. Das ist ein schöner Gedanke. Er gibt uns Hoffnung in dieser Zeit.

Ich wünsche euch viel Hoffnung, Kraft und Geduld.

Ihre Tanja Haas, kath. Seelsorgerin